Des Schamanen Wahnsinn

Montag, März 04, 2019

Zurück aus Paris

Am Wochenende verschlug es uns zum ersten mal nach Paris. Schon bevor wir den Flughafen erreichten, bekamen wir den ersten Schock. Im Autoradio hörten wir, dass der Flughafen Düsseldorf evakuiert würde. Grund waren mal wieder Personen, die ohne Kontrolle in den Sicherheitsbereich gelangten. Wir hatten schon Angst, dass unser Flug ausfallen würde. Dann wären wir mit dem Auto nach Frankreich gefahren, aber zum Glück blieb uns das erspart.


Trotzdem herrschte am Flughafen noch großes Chaos. Die Schlangen waren endlos lang und unser Flug verspätete sich um eine gute Dreiviertelstunde. Die kurze Zeit nutzte ich zum lesen. Gelandet in Paris war unsere erste große Herausforderung, die französischen Tickets für den ÖPNV samt Fahrplänen zu verstehen. Wir hatten uns zwar schon schlau gemacht, aber stellten uns schlussendlich doch nicht so intelligent an. Erst im Laufe des Wochenendes begriffen wir immer mehr, wie das gigantische Metronetz mit seinen unzähligen Zugängen funktionierte.


Und am eigenen Leib bekamen wir mit, dass die Tickets sehr anfällig sind, wenn man sie zu nah an Handy oder Powerbank aufbewahrt. So ging ein Ticket plötzlich nicht mehr und wir kamen nicht einmal mehr aus den Stationen heraus. Irgendwie mogelten wir uns durch, fuhren ein paar Stationen quasi schwarz und versuchten mit ein paar Brocken Französisch am Informationsschalter der SCNF, der Bahngesellschaft, zu erklären, das wir ein neues Ticket brauchten. Entweder konnte oder man wollte uns nicht auf Englisch helfen, aber wir mussten noch zu einem anderen Servicecenter. Dort lief der Umtausch dann problemlos. Die beiden Personen im Infocenter waren auch die einzigen, die sich sprachlich quer stellten. Ansonsten kamen wir mit Englisch und teilweise auch mit Deutsch in Paris gut durch.


Wir fuhren über die Seine, waren am Eifelturm und am Louvre, stiegen hinab in die Katakomben, von denen ich mir viel mehr versprochen hatte, besichtigten Notre Dame und Versaille, stiegen auf den Arc de Triomphe und betrachteten Napoleons Grab im Invalidendom. Leider hatten wir keine Schrittzähler, denn die Menge hätte mich mal interessiert.


Jeden Abend taten uns die Füße weh und wir schliefen schnell ein, auch wenn die Matratze sehr unbequem war und mir morgens der Rücken weh tat.


Am Samstag Abend gerieten wir sogar in eine Polizeiabsperrung an der Champs Elysees, denn die Gelbwesten legten mal wieder weite Teile der Hauptstadt lahm.


Insgesamt war es ein tolles Wochenende, von dem ich viele Eindrücke mitnehme. Beeindruckende Bauwerke ebenso wie der Anblick von Straßenhändlern und Bettlern, die in die Metro einsteigen und nach Geld fragen oder an die Scheiben von Autos an vielbefahrenen Kreuzungen klopfen. Der Anblick war teilweise befremdlich. Vor allem ein Mann ohne Füße, der sich über den Boden einer Bahn schob, war schon beängstigend, wenn man so etwas nicht gewohnt ist. Die Pariser blieben dabei immer sehr entspannt. Unter dem Strich kam mir die Stadt im Vergleich zu Berlin oder auch Wien eh recht ruhig vor, was aber auch an der Jahreszeit gelegen haben könnte. Ich werde es merken, wenn wir irgendwann zurückkehren, denn es gibt noch viel zu entdecken, was wir in den gut drei Tagen gar nicht schaffen konnten.


Aber nach den Trips nach Berlin, München, Wien und jetzt Paris innerhalb weniger Monate freue ich mich doch sehr, ein paar Tage in der Ruhe des Ruhrgebiets verbringen zu können, wenn es auch nicht viele sind, denn die Leipziger Buchmesse steht schon fast wieder vor der Tür.

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Dienstag, Februar 19, 2019

Oldiepartys - oder warum ich mich letzte Woche alt gefühlt habe

Letzte Woche schlenderte ich durch den Marler Stern. An der Bäckerei, in der ich meinen Hunger stillen wollte, fiel mir ein Plakat auf, welches meine Aufmerksamkeit auf sich lenkte.
Darauf wurde für eine Oldie-Party geworben. Da das genau meine Musik ist, betrachtete ich es genauer. Es wurde die Musik der 80er und 90er angekündigt. Moment mal, unter Oldies verstehe ich die 50er bis 70er. Dazu passend zeigte das Plakat die Silhouetten tanzender Menschen mit Afrolook und Schlaghosen.

Okay, die 80er sind mittlerweile auch schon lange her, aber mir irgendwie noch sehr präsent. Aber die 90er? Davon ab, dass es da wirklich viel musikalischen Mist gab, sind das für mich keine Oldies.

Mein Interesse für die Party war erloschen, ich fühlte mich alt und tröstete mich mit einem Sesamcroissant darüber hinweg.

Mittlerweile versuche ich mir einzureden, dass die Musikauswahl darauf zurückzuführen ist, dass die Party in einem Jugendheim veranstaltet wird. Das gelingt nur teilweise. Ich werde wohl langsam doch alt. Na ja, auf die Rente freue ich mich ja eh schon.

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Sonntag, Juli 08, 2018

Dunkels Gesetz - Sven Heuchert (Ullstein)

Es fällt mir schwer, für diese Rezension kurz zusammenzufassen, was in "Dunkels Gesetz" geschieht. Eigentlich passiert viel, aber alles eher parallel, als dass die verschiedenen Ebenen für mich eine gemeinsame Geschichte erzählen.
Es beginnt mit einem Ex-Söldner, der in einem verschlafenen Nest als Securitymann für eine Chemiefirma arbeitet und dort auf Gangster trifft, die einen Drogendeal abwickeln wollen.
Allerdings muss man sagen, dass es in Altglück, einem runtergekommenen Dorf in der Nähe der belgischen Grenze, schwer ist, keinem Gangster zu begegnen. Die Einwohner scheinen sämtlich Kleinkriminelle oder Prostituierte zu sein. Abgesehen von einer Art alten Kräuterhexe, die nur Wodka trinkt und weise Ratschläge sowie alte Klamotten verschenkt.
Die ganze Handlung, die seltsam wirr und unzusammenhängend auf mich wirkt, wird gekrönt von anstrengender Umgangs- und Gossensprache.
Dazu kommen ziemlich brutale Stellen. Kombiniert mit einem völlig unverständlichen Ende, sowie der eher blass als dunkel wirkenden Hauptfigur, kann ich das Buch überhaupt nicht empfehlen. Wo hier der Abgesang auf den goldenen Westen, wie der Klappentext verspricht, besungen werden soll, erschließt sich mir überhaupt nicht.
Unter dem Strich war es trotz der kurzen Länge für mich sehr anstrengend zu lesen und ich kann es leider nicht weiter empfehlen.

Montag, Mai 21, 2018

Etappe 1 - 660km bis Reisbach

Der zweite Tag und damit auch der erste Abschnitt unserer Tour neigen sich dem Ende entgegen. Nach 660km erreichten wir gestern unsere erste Unterkunft. Ein kleiner privater Gasthof in Lappersdorf. Die Eigentümer und ein Hund namens Mozart begrüßten uns.
Im Nachbarort fanden wir ein Restaurant, das uns gefiel. Dort gab es mehr Fliegen als Gäste, denn wir saßen allein in einem großen Saal. Am Essen kann es nicht gelegen haben, denn es schmeckte uns super. Auch das örtliche Bier und der Birnenlikör als Absacker waren perfekt.
Zuvor hatten wir den Nachmittag im - zugegebenermaßen beheizten - Freibad verbracht.
Heute morgen ging es dann in den Bayernpark. Der Tag war schön, aber auch anstrengend. So kam es, dass wir nach einem fantastischen Essen in einem urigen Biergarten früh im Bett landeten. Es läuft der Tatort und höchstens zwei mal in der Stunde fährt ein Auto an unserem Fenster vorbei.
Wir scheinen die einzigen Gäste zu sein. Alles ist ruhig, was ich besonders genieße. Denn ab morgen sind wir in Wien. Das wird sicher komplett anders, aber ich freue mich sehr darauf. Eine tolle Stadt und ein alter Freund - was will man mehr?

Sonntag, Mai 20, 2018

Eine Reise in die Kindheit

Tag 1 unserer Reise wird uns 660km weit Richtung Süden bringen. Insgesamt werden wir in den nächsten 13 Tagen fast 3000km durch drei Länder zurücklegen und dabei Orte aufsuchen, an denen wir als Kinder waren.

Wir wollen überprüfen, ob die Erinnerung uns trügt oder ob alles noch so aussieht wie vor mehr als 20 Jahren.

Auf geht es in unser Abenteuer!

Donnerstag, April 19, 2018

Ich und Raumschiff Promet bei ebay

Wahnsinn, ich habe dieses Jahr erst einmal gebloggt! Unglaublich. Ist etwa nichts passiert? Nein, so ist das keineswegs. Aber wir haben renoviert und gewerkelt und gepackt und sitzen jetzt im neuen Haus. Erst ganz langsam kehrt wieder Normalität ein. Wobei ... gab es die jemals?


Na ja, für den ersten Post nutze ich etwas, das ich gerade entdeckt habe und was mich jedes mal wieder freut: ich bin bei ebay! Also, nicht ich selbst kann ersteigert werden, aber Werke aus meiner Feder.


Hier sind es die Romane "Sprung ins Ungewisse" und "Von Stern zu Stern", die ich beide für die Serie Raumschiff Promet, die im Blitz-Verlag erscheint, geschrieben habe.


Raumschiff PROMET - Von Stern zu Stern Band 5 Gefangene der Doppelsonne


Raumschiff PROMET- Von Stern zu Stern Band 2 - Sprung ins Ungewisse


Es ist schon ein seltsames Gefühl, wenn man so etwas sieht. Ich überlege dann manchmal, die Bücher zu ersteigern. Nur um zu sehen, ob dem Verkäufer beim Versand etwas auffällt bei den Namen. Vielleicht wäre sie mit Autogramm von mir wertvoller? Vielleicht wurde dann überhaupt jemand mal etwas bieten...


Also, wer sich beeilt, hat die Chance, zwei meiner allerbesten Werke als günstiges Schnäppchen bei ebay zu ergattern. Und wer in der Nähe wohnt und mich besucht, erhält gratis eine Widmung hinein. Ist das ein Angebot?

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Mittwoch, Januar 03, 2018

Nachts klingelt das Grauen

Zugegeben, die Überschrift liest sich etwas dramatisch, aber sie ist doch ganz passend, denn teilweise liest sich die Story wie in einem Horrorfilm.


Der Regen schlug schwer gegen die Fensterscheibe und der Wind heulte durch die nur von wenigen Laternen erhellte Straße. Durch diese Geräusche geweckt, warf ich einen schnellen Blick auf die Uhr. 5.20 Uhr morgens. Noch genug Zeit, um mich umzudrehen und die Decke bis hoch an die Nasenspitze zu ziehen, um weiter den Schlaf des Gerechten zu genießen.


Doch plötzlich schallte ein mir wohl bekanntes Geräusch durch die Wohnung, das zu solch nachtschlafener Stunde jedoch eher selten zu hören ist und daher durch mich nicht sofort zuzuordnen war. Meine ersten Gedanken waren daher wahlweise die Ankündigung einer Ansprache des Tenno, Fliegeralarm oder die Fanfaren von Jericho.


Als die Schwaden der Müdigkeit durch den infernalischen Lärm langsam in Auflösung übergingen, dämmerte mir, dass es die Türklingel war. Um 5.20 Uhr?! In Dauerschleife?!


Wir sprangen beide auf, doch auch ein Druck auf den Türöffner, der einen vermeintlich dem Unwetter ausgesetzten Hausbewohner aus seiner Not befreien sollte, schuf keine Abhilfe.


Ich griff mir den Schlüssel, schloss die Wohnung auf und stürmte, in einen Pyjama feinster Art gekleidet, die wenigen Treppenstufen hinab. Ich riss die Tür auf, ganz in Erwartung einen durchnässten Menschen zu Angesicht zu bekommen, doch ich wurde enttäuscht. Einzig das Mondlicht und kalte Regentropfen trafen mein Gesicht. Ich warf einen Blick in beide Richtungen der Straße, doch auch dort war niemand zu sehen.


Unterdessen klingelte und bimmelte weiter der Türgong, von dem mir bisher nicht bekannt gewesen war, dass er als Ersatzstück für Big Ben in London fabriziert worden war. Ich war mir sicher, dass es alle Bewohner des Hauses zu einem frühen Frühstück zusammenrufen wurde, doch überraschenderweise blieb der Flur nur durch mich besucht.


Ich trat den Rückzug an, überprüfte die Klingel an der Wohnungstür, konnte jedoch auch dort keine Lösung für die Ruhestörung entdecken. Gefühlt waren zehn Minuten donnerhallender Glockenschlag vergangen, also blieb nur eine Lösung - Klingel abstellen. Aber wie?


Ich kam nur mit den Fingerspitzen an den Kasten. Es musste also Leiter und Werkzeug besorgen. Dann dauerte es noch eine Weile, bis ich den staubigen Plastikquälgeist fachmännisch geöffnet und seiner Stromquelle beraubt hatte.


Anstelle des Gongs schlug nur noch mein Herz, vermeintlich genauso laut. An erholsamen Schlaf war für uns leider nicht mehr zu denken. Danke für diesen großartigen Beginn, 2018!